Organisatorische Resilienz: So schützen Sie Ihr Unternehmen vor Burnout

Resilienz

Nicht nur Einzelpersonen, sondern ganze Unternehmen und Organisationen können von Burnout betroffen sein. Zur Erhöhung der persönlichen Resilienz stehen dem Menschen verschiedene Präventions- und Interventionsformen sowie -maßnahmen, wie Trainings in Anlehnung an das Zürcher Ressourcen Modell oder Resilienz-Booster Methoden zur Verfügung. Wichtige Grundpfeiler und Kriterien zum Aufbau persönlicher Resilienz sind Hoffnung, Optimismus, Selbstständigkeit, Selbstwirksamkeit, Unabhängigkeit, Entschlossenheit, Einsicht, Lösungsorientierung, Humor und Mut.

Doch wie kann organisatorische Resilienz vorbeugend aufgebaut werden?

Um das gesamte Unternehmen vor möglichen negativen Konsequenzen von Stressoren zu schützen und die unternehmerische Stärke zu fördern, können lt. Hofmann (o.D.) nachfolgende vier Schritte zum Aufbau organisatorischer Resilienz umgesetzt werden:

  1. Genaue Bestimmung des IST-Zustandes
  2. Erstellung eines Projekt- und Kommunikationsplanes
  3. Resilienztraining zur Teamstärkung
  4. Laufende Überprüfung und Weiterentwicklung der Strukturen

Genaue Bestimmung des IST-Zustandes

Im ersten Schritt ist es notwendig, eine genaue Analyse des IST-Zustandes durchzuführen, um die Hard- und Soft-Skills zu ermitteln. Um starke Energiefresser im Unternehmen darzustellen, eignet sich zur Bestimmung des IST-Zustandes beispielsweise die Unternehmensampel. Zur Analyse der Stärken und Schwächen eines Unternehmens und seiner wichtigen Problemfelder eignet sich die Heranziehung der Methode des Lösungsrads, in dem mittels grafischer Darstellung von Problemen und deren verschiedener Gesichtspunkte eindeutige Verbindungen herausgearbeitet werden. Um den IST-Zustand des Unternehmens in Hinblick auf seine Widerstandsfähigkeit, Flexibilität und Belastungsfähigkeit zu erheben, überlegen sich Teams von Entscheidungsverantwortlichen, welche menschlichen und sachlichen Themen in diesen drei Bereichen im Unternehmen deutlich werden und ordnen diese in die Kategorien „verbesserungswürdig“, „gute Mitte“ und „läuft gut“. Ziel nach einer umfassenden Bearbeitung und Priorisierung in der Großgruppe ist es, klare und realistische Umsetzungsschritte zu planen.

Erstellung eines Projekt- und Kommunikationsplanes

Nach einer genauen Standortbestimmung der Organisation wird ein Projekt- und Kommunikationsplan mit realistischen Zwischenzielen definiert. Zur Erforschung neuer Lösungsansätze und Herstellung eines Gleichgewichts zwischen sachlichen und emotionalen Faktoren eignet sich die Methode „Raus aus der Box“, in dem durch das Verlassen der eigenen „Box“, das Einnehmen eines neuen Blickwinkels und das Aussteigen aus der Komfortzone neue, kreative Wege gefunden werden sollen.

Resilienztraining zur Teamstärkung

Die Einbeziehung von Team-Building-Aktivitäten, wie beispielsweise einem gemeinsamen Resilienztraining, kann eine Vielzahl von Vorteilen bieten. Neben der individuellen Stärkung jedes Teammitglieds ermöglicht es auch die Förderung des Teamspirits und des Zusammenhalts innerhalb der Gruppe.

Eine bewährte Methode im Resilienztraining ist die Anwendung des sogenannten „Teamrads“. Dieser Ansatz beginnt damit, dass jedes Teammitglied wichtige Aspekte der Teamarbeit identifiziert, die eine direkte Relevanz für die Stärkung der Resilienz haben. Durch diesen Schritt wird nicht nur das individuelle Bewusstsein für die eigenen Stärken und Schwächen gefördert, sondern es ermöglicht auch eine gezielte Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen und Erwartungen jedes Einzelnen im Team.

Nachdem die Teammitglieder diese wichtigen Aspekte gesammelt haben, folgt die Phase der gemeinsamen Auswertung und Diskussion. In dieser Phase einigt sich die Gruppe auf ein gemeinsames „Kraftzentrum“. Hierbei handelt es sich um den Bereich, aus dem das Team die meiste Stärke und Motivation zieht. Dies kann beispielsweise die Zusammenarbeit, die offene Kommunikation oder bestimmte Teamerfolge sein.

Mit dem Kraftzentrum als Leitpunkt geht das Team noch einen Schritt weiter. Es analysiert die vorhandenen Verbindungen zu den Bereichen, die zum Kraftzentrum führen. Diese Verbindungen können beispielsweise aus gemeinsamen Erfahrungen, geteilten Werten oder spezifischen Fähigkeiten bestehen.

Schließlich arbeitet das Team gemeinsam an der Definition von Zwischenschritten, hin zum angestrebten SOLL-Zustand. Diese Zwischenschritte können konkrete Maßnahmen, Verhaltensänderungen oder gemeinsame Aktivitäten sein, die das Team dabei unterstützen, seine Resilienz zu stärken und den gewünschten Zustand zu erreichen.

Insgesamt bietet das Resilienztraining mithilfe des Teamrad-Ansatzes eine strukturierte und engagierte Möglichkeit, die individuelle Resilienz jedes Teammitglieds zu fördern und gleichzeitig den Teamgeist und die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe zu stärken. Durch die bewusste Reflexion, die gemeinsame Definition von Zielen und die Identifizierung von Kraftquellen schafft diese Methode eine solide Grundlage für ein gestärktes Team und eine produktive Arbeitsumgebung.

Überprüfung und Weiterentwicklung der Strukturen

Um einen strukturellen Entwicklungsprozess hin zur organisatorischen Resilienz erfolgreich nachhaltig zu etablieren ist es notwendig, unter Einbezug des gesamten Unternehmensumfeldes (Belegschaft, Kundschaft, Konkurrenz, Zulieferer, Banken, u.a.) regelmäßig im Zuge einer Energiebilanz die Energieressourcen des Unternehmens zu erheben. Dabei erlangt das Unternehmen Klarheit über den tatsächlichen Füllungsstand seines Energiespeichers, seiner potenziellen Energiespender sowie Energieräuber und kann anhand dieser Erkenntnisse notwendige Veränderungsschritte einleiten.

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Quellen:

Kauffeld S. (2019). Arbeits-, Organisations- und Personalpsychologie für Bachelor. 3. Ausgabe. Berlin: Verlag Springer.

Hofmann A. (o.D.). Burnout. (eBook). ISBN 978-3-99034-176-6